Wolf & Hund - die geschichtliche
Herkunft des Kishu-Ken
Die Verwendung der japanischen Hunde als
Jagdhunde weist Analogien zur Funktion des Wolfes im Altertum auf. Der Wolf
wurde in Japan aus zwei Blickwinkeln betrachtet: zum einen als Feind und
Schädling, welcher die Nutztiere tötet und vor dem die Menschen Angst hatten.
Zum anderen aber riss der Wolf auch Tiere welche die Ernte gefährden oder
schädigen, wie z.B. Wildschwein und Reh. Damit hatte der Wolf auch einen
gewissen Nutzen für die Menschen.
Vom
Wolf zum Hund
Jäger wurden in
Japans Bergregionen für ihren Jagderfolg aber vor allem für ihren Mut verehrt
und und bis zum Heldentum bewundert. Eine eben solche Verehrung kommt den
Jagdhunden zu, ohne die in Japan grundsätzlich nicht gejagt wurde. Die Jäger
selber schätzen ihre Hunde sehr für deren Jagdleistung, und stellen deren
Leistung in der Vordergrund. "Inu ichiban, ashi niban, teppo sanban"
- erst der Hund, dann die Beine, dann dein Gewehr! Diese japanische Redewendung
verdeutlicht nicht nur die Hochachtung der Jäger gegenüber den Hunden, vielmehr
impliziert sie auch die Art zu jagen. Es wird hier bereits angedeutet, dass der
Jäger selber in körperlich guter Verfassung sein muss, damit er dem Hund folgen
kann.
Jäger
assoziieren ihre Hunde mit Wölfen, und sind der Meinung ihre Hunde stammen von
Wolf ab (mehr dazu s.u.). Die Nähe zum Wolf zeigt sich auch in einigen
Jagdtechniken: "Okamiryo" - die Wolfsjagd, welche nach Annahme der
japanischen Jäger das Verhalten eines Wolfsrudels nachahmt.
Die
Lehrmeinung
In Japan
herrscht landläufig die Meinung vor, dass die japanischen Hunde von japanischen
Wölfen abstammen. Nach heutigen Erkenntnissen stammen Japanische Hunde von
Hunden ab, welche die Nachkommen von Wölfen aus den Ursprungsgebieten Südasien
und Arabien sein sollen (Okumura et al. 1996; 403-4). Der Ursprung der
japanischen Hunde liegt evolutionär betrachtet in der Antike, vor ca. 3500
Jahren. Unabhängig von der Herkunft des Grundstamms der japanischen Hunde ist
auch bekannt, dass darüber hinaus japanische Wölfe im Laufe der Zeit wiederholt
eingekreuzt wurden. Dies trifft insbesondere auf die mittelgroßen Rassen der
Bergregionen wie den Kishu oder den Hokkaido zu, welche als Ursprung der
japanischen Hunde angesehen werden.
Die
Legende
Die
Verbindung zwischen dem Wolf und dem Hund soll beim Kishu besonders
ausgeprägt sein. In Kii Peninsula wird eine Legende über den ersten Kishu
überliefert: "Ein Jäger findet bei einem seiner Streifzüge einen heulenden Wolf
im Wald. Als sich der Jäger dem Wolf nähert, entdeckt er, dass der Wolf nach
Luft schnappend etwas in der Kehle stecken hat. Mutig greift der Jäger mit
seiner Hand in die Kehle von dem Wolf, und zieht einen feststeckenden Knochen
heraus. Die dankbare Wölfin revanchiert sich bei dem Jäger indem sie ihm eines
ihrer Jungen schenkt. Dieser Welpe entwickelt sich zu einem Jagdhund der
Superlative und macht seinen Besitzer sehr berühmt." In einer weiteren Version
dieser Legende spiegelt sich das wölfische Verhalten des Kishu bei der Jagd,
insbesondere bei Wildkontakt wieder: "... vor seiner eintausendsten Tötung
bricht der zum Hund gewordene Wolf ab. Er kehrt zurück in die Wildnis und sein
tausendsten Opfer wird der Jäger selbst".
Die
Neuzeit
Auch heute ist
der Kishu in Japan ein legendärer Jagdhund. Die Nähe zum Wolf ist dabei
geblieben bzw. durch japanische Züchter im 20. Jahrhundert mindestens erhalten
worden. Immer wieder wurden in der Vergangenheit (seit dem zweiten Weltkrieg)
Kishus mit Wölfen gekreutzt und Kishus oder Kishu-Wolfshybriden ausgewildert. Es
existieren bestätigte Berichte, dass japanische Jäger, auf der Suche nach noch
besseren Jagdhunden, Polarwölfe sowie amerikanische Timberwölfe eingekreutzt
haben. Diese Hybriden waren nicht aggressiv zu Menschen, sondern ängstlich und
zurückhaltend gegenüber Fremden.
Vom
Hund zum Wolf
Diese Hybriden
und Kreuzungen, welche teilweise in Japans Bergen frei laufen, verursachen im
modernen Japan Konflikte. Ähnlich wie in anderen Ländern der westlichen Welt,
kommt es zu Angriffen auf Nutztiere und Wild durch diese wildlebenden Hunde.
Analog zu wildlebenden Wölfen existieren in Japan scheinbar kleine Gruppen von
diesen Wolfshybriden oder Wildhunden, welche als Schädlinge zu bezeichnen sind.
Diese "Hunde" töten Nutztiere und werden als Gefahr für Wanderer und
Waldarbeiter angesehen. Eine positive Funktion, dass diese Rudel "Schädlinge" wie
Wildschwein oder Reh töten, kann man diesen Tieren aufgrund der Existenz der
Jäger nicht mehr zuschreiben.