- Tetsurou - der eigene Kishu Ken

auf dieser Seite möchten wir interessierten Besuchern von Erfahrungen und Anekdoten über den eigenen Kishu
Ken berichten
Tetsurou ist ein Kishu Ken
Rüde und wurde am 01.01.2005 - in der Ursprungsregion der Kishus
- in Udono in der Präfektur Mie in Japan geboren. Im Alter von
8,5 Wochen kam Tetsurou mit dem Flugzeug (in der
Passagierkabine) mit nach Deutschland. Seitdem lebt Tetsurou in einer ca. 100qm
großen Wohnung und einem ca. 500qm großem Garten in der Nähe von
Köln.
Wie es dazu kam ?
Bereits fast 3 Jahre vor der
Geburt von Tetsurou manifestierte sich der Wunsch nach einem
Hund. Da einiges an Hundeerfahrung, vor allem in Fragen der
Erziehung, vorhanden war, gab es wenig sachliche Gründe der
Wunschrichtung Nordische Hunde und Wolfshunde nicht nachzugehen.
Aufgrund der beruflichen Situation traute ich mir nicht zu einen
Schlittenhund ein artgerechtes Leben zu bieten. Die zweite
Alternative, ein Wolfshund, erschien nicht alltagstauglich genug
um glücklich zusammenleben zu können. Nach etwas intensivierter
Suche kam ich auf die Japanisch-Nordischen Rassen. Aufgrund der
Verbreitung zunächst nur auf Aktia - und Shiba Inus. Jedoch war
mir der Akita zu ruhig und der Shiba zu klein.
Auf einer Hundeausstellung im Jahr 2003 wollte ich mich dann
näher informieren, und verbrachte einen Tag in der Halle in der
die nordischen Rassen vorgestellt wurden. Über den Kishu wusste
ich zu diesem Zeitpunkt fast nichts. Vielmehr war ich dort in
der Hoffnung Hokkaido Kens zu sehen und deren Besitzer zu
treffen. Während zahlreicher Stunden in denen die einzelnen
Hunde vorgestellt wurden, lagen ein paar weiße Hunde - für mich
völlig langweilig - in ihren Kennels und schliefen. Die Hunde
waren von dem regen Treiben und vor allem den anderen
Hunden um sie herum völlig unbeeindruckt. Zu diesem Zeitpunkt war mein Interesse
an diesen Hunden, da diese völlig lethargisch wirkten, gleich
null. Ganz am Ende der Show, die meisten Besucher waren schon
gegangen, wurden diese Hunde dann vorgestellt. Zu meinem
erstaunen änderte sich das Verhalten der Hunde damit
schlagartig: In dem Moment in
dem die Hunde ihre Kennels verließen, waren die Tiere wie in
Alarm versetzt: sehr aufmerksam, ein wenig ungestüm und voller
Tatendrang. Nach der Vorstellung fielen die Hunde in einen
ähnlich gelassenen Zustand der scheinbaren Gleichgültigkeit
zurück wie vor der Show.
Das anschließende Gespräch mit der Besitzerin war sehr
aufschlussreich: was die Dame an Charaktereigenschaften und über
die Haltung ihrer Hunde zu berichten hatte klang als würde sie
von einem Wunschzettel "der perfekte Hund" - den ich geschrieben
hätte, ablesen. Von diesem Moment an sollte es ein Kishu Ken
sein. Das einzige Problem war: es gab in Deutschland keine
Züchter, nicht einmal irgendwelche gelisteten Besitzer. Zwei
Jahre wartete ich also, hin und wieder nach anderen Rassen
Ausschau haltend, auf erfolgreiche Deck - und Wurfmeldungen aus
Europa. Als sich im Dezember 2004 die Hoffnung auf einen Welpen
aus Europa abermals zerschlagen hatte, beschloss ich einen Kishu
Ken aus Japan zu importieren.
Welpenzeit
Als Welpe war Tetsurou recht
pflegeleicht, wenn auch scheinbar recht verschiedenen zu den
meisten anderen Hunden in seinem Alter die ich kennen gelernt
habe. Tetsurou war vom ersten Tag an stubenrein. Nachdem ich
ihm einmal sein Plätzchen im Garten gezeigt hatte, war das Thema
erledigt. Wobei er im Alter von 12 Wochen nur noch beim
Spaziergang seine Geschäfte erledigte. Nächtliches aufstehen um
mit dem Hund raus zu gehen gab es ebenso wenig wie das ständige
hinterherlaufen des Hundes in der Wohnung. Insgesamt war das
Verhalten von Tetsurou im Welpenalter sehr ähnlich dem eines
ausgewachsenen Kishus. Sowohl Sozialverhalten, Jagdtrieb als
auch sein Verhalten in der Wohnung änderten sich nur wenig
(verglichen mit z.B. Retriever oder Labrador).
Trotzdem war Tetsurou von Beginn an mir gegenüber sehr
anhänglich und treu, was bis zur Verteidigung und Eifersucht
gegenüber anderen Hunden führte: ich hatte den Welpen gerade
einmal
4 Tage bei mir (9 Wochen alt) als wir einen typischen
"Welpen-Besichtigungs-Besuch" samt Anhang in Form eines
belgischen Schäferhunds (ca. 70cm Schulterhöhe) empfingen. Erwartungsgemäß
gab es mit dem Besuch wie auch mit dem Hund zunächst keine
Probleme (Tetsurou war zu diesem Zeitpunkt gerade mal 20cm groß
und 5kg schwer). Die Situation änderte sich, als der belg.
Schäferhund sich erlaubte mir näher zu kommen und ich ihn anfasste: Tetsurou kam sofort aus dem Nebenzimmer gelaufen, sprang ohne zu zögern
hoch und biss dem Schäferhund in die Nase, so dass dieser sich
jaulend zurückzog. Dieses Verhalten, was er daraufhin auch beim
Spaziergang gegenüber anderen Hunden zeigte, beeindruckte
mich zunächst doch sehr.
Aufgrund solcher Eigenarten
und der grundsätzlich nicht als einfach geltenden Erziehung
besuchte ich mit Tetsurou zwei Welpenschulen parallel. Weiterhin
hatte ich regelmäßig einen ausgebildeten Hundetrainer und
Tierpsychologen für Privatstunden an meiner Seite. Letzterer war
vor allem auch da, um meine Freundin beim Umgang mit Tetsurou zu
unterstützen. Bereits als Welpe im Alter von 10 Wochen hatte sich Tetsurou um die Befehle und Kommandos seiner nicht Herrin
ausgesprochen wenig gekümmert: beim Spaziergang ohne Leine
ignorierte er sie komplett. Ging sie nach links ging Tetsurou
nach rechts - ohne auf ihm durchaus bekannte Kommandos zu
reagieren. Die üblichen Tricks: Wurfketten, Rasseldosen,
Leckerlis, etc. interessierten den kleinen Welpen überhaupt
nicht! Es war nicht möglich den Hund damit zu erschrecken bzw.
zu locken. Bei seinem Herren war der Gehorsam grundlegend
anders: zwar befolgte Tetsurou nicht stumpf jeden
sinnlosen Befehl, gehorchte jedoch zumindest meinen Kommandos.
Auch im Alter von 3,5 Jahren beachtet Tetsurou andere Personen
als mich nur wenig, und lässt sich auch von meiner Freundin
nicht so gut lenken wie von mir.
Während der Welpenzeit hat
Tetsurou bereits viel mit erlebt. Abgesehen von seiner Reise
nach Deutschland musste er vom ersten Tag an überall mit hin.
Sogar sechs Monate berufliches Wochenend-pendeln war dabei
inbegriffen (mit dem Zug). Dazu kamen extra veranlasste
Einkaufstouren, kurze Reisen, etc.
Sozialverhalten und Jagd
Tetsurou war in seinem Wurf
vermutlich der "Kopfhund" - zumindest war er der größte und
schwerste Welpe des Wurfs. An Selbstvertrauen bzw. Mut beim
Umgang auch mit größeren Hunden mangelt es ihm nicht (siehe das
Beispiel mit dem belgischen Schäferhund). Diese
Eigenschaft paart sich mit dem Drang immer die Rangordnung mit
anderen Hunden ausmachen zu müssen. Bereits in den Welpengruppen
fiel er dadurch auf, primär die Rangfolge festzulegen bevor er
sich dem sekundären Spiel mit den Artgenossen widmete. Bei den daraus
resultierenden "Strafpausen" am Rand der spielenden Welpengruppe
zeigte Tetsurou ein Kishu typisches Verhalten: der 10-14 Wochen
alte Hund lag dösend im Gras während um ihn rum 5-6 Welpen
tobten. Sobald die ein - zwei Artgenossen die er nicht mochte
nah an in dran kamen, und sei es nur weil es sich aus dem Spiel
heraus ergab, sprang er unverhofft auf, attackierte die Welpen um sich
ebenso schnell wieder hinzulegen und weiter zu dösen.
Bereits im Alter von 8 Wochen
zeigte Tetsurou ein gewisses Appetenzverhalten was das Jagen
betrifft. Mit zunehmendem Alter und Reife kam zum Jagdtrieb die
körperliche Fähigkeit hinzu, Beute erfolgreich zu fangen und zu
töten. Vor allem mit der Hilfe des
Hundetrainers habe ich in zahlreichen Privatstunden versucht das
Jagdverhalten des abgeleinten Hundes zu kontrollieren - ohne Erfolg! Die,
für westeuropäische Jagdrassen typische Kontrolle der Jagd im
Sinne des absoluten Gehorsams des Hundes, war von vorneherein
zum scheitern verurteilt - denn dafür ist "ein Norde" und vor
allem ein Kishu Ken zu eigenständig. Erste Maßnahmen des
Hundetrainers war das Verleiden: sobald der Hund z.B. ein
Kaninchen fixierte, wurde er bestraft. Bei zu hoher
Gewaltanwendung seitens des Hundetrainers verwendete Tetsurou
ein bis zwei Sekunden darauf nach dem Trainer zu schnappen, um sich sofort
wieder dem Kaninchen zuzuwenden.
Ebenso wenig von Erfolg gekrönt war die Ablenkung mit Leckerlies.
Sobald Tetsurou auch nur eine Spur aufgenommen hat, hat er
selbst Frischfleisch nicht mehr genommen. Die letzte Maßnahme
war ein Spray- Halsband mit Fernbedienung (unter Anleitung des
Hundetrainers), was Tetsurou dazu veranlassen sollte auch bei
der Jagd auf Abruf
zu reagieren. Wir setzten dieses Gerät nur einmal ein: Tetsurou
nahm eine Spur auf und rannte los, darauf folgte das erfolglose
abrufen gefolgt von der ferngesteuerten Bestrafung. Der Hund
rannte, wenn auch kurzzeitig wie angeschossen zuckend,
unaufhörlich weiter.
Das einzige Resultat von allen diesen Maßnahmen war, dass Tetsurou stets sein Vertrauen in mich verlor.
Dieses musste dann jeweils erst wieder mühsam zurück gewonnen
werden. Der Jagdtrieb ist
dem Hund so im Wesen verankert dass er, entgegen anderen
Verboten, es schier nicht begreift dafür bestraft zu werden.
Nach jeglicher Erziehungsmaßnahme die ihm das jagen verleiden
sollte (ausschimpfen, körperliche Gewalt, ferngesteuertes
Halsband), ließ sich der Hund nicht mehr anfassen. Zwar folgte er
mir weiterhin, ließ sich jedoch weder berühren geschweige denn anleinen. Alle Maßnahmen Tetsurou
das Jagen zu verbieten habe ich deswegen eingestellt. Bis zum Alter
von 14 Monaten hat Tetsurou, abgesehen von einem Wildschwein,
von der Maus, über Vögel bis zum Reh alles gejagt. Aus diesem
Grund ist der Hund heutzutage nur noch angeleint in Deutschland
unterwegs. Als Ersatz für das Jagen kommen Ersatzleistungen zum
Einsatz: Futterdummy, Such- und Laufspiele, Beutespiele sowie
reine körperliche Arbeit beim Laufen, Radfahren, Nordic Skating.
Den selbst auferlegten Leinenzwang empfinde ich heute nur
bedingt als störend. Zum einen sorgt es für entspanntere Touren.
Viel wichtiger ist jedoch die Erkenntnis, dass sich das
Verhalten Tetsurous ohne Wildkontakt abgeleint nicht vom
angeleinten Zustand zu unterscheiden scheint. Dies konnte ich
beim frei laufenden Hund in Skandinavien häufiger feststellen.
Erwachsen -
Verhalten und Lebensweise HEUTE!
Auch ein Kishu wird mit dem
Alter etwas ruhiger! Das Jagdverhalten hat sich im Laufe der
Jahre etwas gändert: Tetsurou interessiert sich weniger für
kleinere Tiere: bei Katzen und Kaninchen ist es
mittlerweile möglich den Spaziergang einigermaßen fortzusetzen.
Nur bei Rotwild dreht er komplett auf und ist nur schwer zu
bremsen.
Das
Verhalten anderen Hunden gegenüber ist sehr gemischt: bei Hunden
die er bereits seit der Welpenzeit kennt bestehen meist
keinerlei Probleme. Anderen Hunden gegenüber, vor allem bei
Rüden, zeigt sich ein ausgeprägtes Aggressionsverhalten. Dieses
lässt sich durch ablenken des Blickkontakts sehr gut
kontrollieren (Ausnahme sind nur frei laufende Hunde, welche
dann unbedingt vom Halter zu meinem abgelegten und abgelenkten
Hund hin gelassen werden müssen). Um dies weiterhin zu
verbessern und ein reges Sozialverhalten zu erhalten, besuchen
wir weiterhin eine "Raufergruppe" in der auch Hunde akzeptiert
sind, welche nicht immer freundlich auf andere Hunde reagieren.
Das
Verhalten Menschen gegenüber hat sich ebenfalls gewandelt. War
er früher Fremden gegenüber sehr freundlich und wich vor allem
Kindern nicht von der Seite, reagiert er heute anders.
Menschen gegenüber ist Tetsurou eher scheu, meistens werden
Fremde schlichtweg ignoriert - egal ob draußen oder zu
Hause. Unerwünschtes Anfassen mit der erhobenen Hand wird mit
einem knurren zurückgewiesen.
Aktivitäten
Tetsurou ist im
Alltag und vor allem in der Freizeit immer mit dabei! Sowohl im Büro als auch im
Cafe ist das Verhalten unproblematisch - sofern nicht irgendein Passant meint
den Hund umarmen oder seinen Riesenschnauzer auf ihn zu laufen lassen zu
müssen. Abgesehen davon macht Tetsurou alle nur erdenklichen Outdoor Aktivitäten
mit. Dazu gehören neben Wanderungen auch Kanu Touren. So richtig in seinem
Element ist er aber bei den Touren durch Skandinavien, welche regelmäßig
anstehen. Vor allem die Übernachtungen in Zelt (da muss man ihn anbinden - sonst
ist er im Zelt bevor es aufgebaut ist), Nothütte oder Auto sind für den Hund
kein Problem. Und wenn man dann noch bei Nachbars Elchjagd mitmachen darf, dann
ist der Hund so richtig in seinem Element.


Aufgrund
beruflicher Gründe muss Tetsurou häufiger für mehrere Tage weg gegeben werden.
Hier gibt es, sofern die Regeln wie z.B. nicht ableinen etc., beachtet werden,
keine Probleme. Nach einer kurzen Gewöhnung an die fremde Person, läuft das
zusammenleben immer reibungslos.